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Kirchenmusik

"Time To Say Goodbye" - Kirchenkreiskantor Peter Müller verabschiedet sich in den Ruhestand

Ich bin auf dem Weg, um mich mit Peter Müller zu einem letzten Gespräch in seinem Amt als Kirchenkreiskantor für diesen Artikel im Gemeindebrief zu treffen und irgendwie habe ich, wohl dem Anlass entsprechend, schon den ganzen Tag die Melodie von „Time To Say Goodbye“ im Kopf. Ob Peter dieses Lied wohl mag? Und welche Musikrichtung hört unser Kantor eigentlich gerne privat? Das müsste ich ihn nachher eigentlich auch nochmal fragen.

Wir treffen uns in seinem Büro am Universitätsplatz neben der Kreuzkirche. Dort herrscht ein „künstlerisches Chaos“, wie er es lachend beschreibt: Regale, gefüllt mit unzähligen Notenheften, Unmengen von CDs, Fachliteratur und vieles mehr. Da gibt es noch einiges zu sortieren und einzupacken, denke ich mit einem Blick auf die schon bereitstehenden, aber noch leeren Umzugskartons. Sein Schreibtisch ist bedeckt mit Programmheften, Gottesdienstabläufen und Plakaten von Konzerten, die er in der Reihe der „KreuzKirchenKonzerte“ organisiert oder auch selbst auf der Orgel gespielt hat. Dort entdecke ich auch ein Foto, auf dem seine drei Kinder zu erkennen sind. „Alle drei haben inzwischen ihren musikalischen Weg gefunden. Sie spielen verschiedene Instrumente und haben viel Spaß daran, in einem Chor mitzusingen“, freut sich der stolze Papa. Wir sprechen über seine Ausbildung zum Kirchenmusiker, über seinen beruflichen Werdegang und natürlich auch über seine Erlebnisse in 38 Dienstjahren als Kantor in Lingen und im Kirchenkreis. Auf meine Frage, ob es Ereignisse gegeben habe, die für ihn unvergessen geblieben sind, zeigt er auf einen Schwibbogen, ein Gastgeschenk aus Pobershau, der auf der Fensterbank steht. Peter erzählt, dass es zur evangelischen Kirchengemeinde in Pobershau im Erzgebirge bereits zu DDR-Zeiten freundschaftliche Kontakte gegeben habe. Gegenseitige Besuche waren zu dieser Zeit jedoch schwierig. Doch dann kam der 9. November 1989 und damit die Grenzöffnung. In dieser freudigen Stimmung erfolgte eine spontane Einladung der Kreuzkirchengemeinde an die Gemeinde in Pobershau. „Als dann der gesamte Posaunenchor aus Pobershau schon im Advent 1989 anreiste und wir gemeinsam im Gemeindehaus an der Bäumerstraße den Choral „Nun danket alle Gott“ anstimmten, war das wohl einer der emotionalsten Momente während meiner Dienstzeit hier“, erinnert er sich immer noch sichtlich berührt. Die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Posaunenchören bestehen bis heute und so freut es ihn sehr, dass zu seiner Verabschiedung am 21. Juni auch Gäste aus Pobershau anreisen werden.

Unser Gespräch wollen wir nun an Peters Haupteinsatz- und Lieblingsort, an der Orgel in der Kreuzkirche, fortsetzen. In der Kirche angelangt, steigen wir die schmale, steile Treppe zur Orgelempore hoch. „Hier werden nur musikalische Leute hinaufgelassen“, lese ich noch auf einem Hinweisschild am Treppenaufgang. Oben angekommen, hat man einen schönen Blick auf den Altarraum. Vor kurzem hat dort unten noch vor ausverkauftem Haus ein Festkonzert mit der Lingener Kantorei, Gastsängern und -sängerinnen, namhaften Solisten und Solistinnen und einem Instrumentalensemble stattgefunden. Für Peter Müller war dies das letzte große Konzert unter seiner Leitung. „Es hat mir immer große Freude bereitet, mit der Kantorei und auch mit dem Bläserkreis zusammenzuarbeiten“, erzählt er. „Wir konnten vielen Gottesdiensten einen festlichen musikalischen Rahmen geben, doch die großen Konzerte waren schon besondere Highlights und mit vielen und intensiven Proben verbunden.“ Meine Frage, wer denn zukünftig die Leitung der Kantorei und des Bläserkreises übernehmen werde, kann er nur vage beantworten: „Da planen wir noch an einer Übergangslösung. Leider gibt es noch immer keine konkrete Entscheidung über einen möglichen Nachfolger.“

Zum Abschluss unseres Gespräches bitte ich Peter, noch einmal auf der Orgel zu spielen. Als er seine Hände auf die Manuale legt, ist es leider nicht zu übersehen: Seine Finger sind gezeichnet von einer zunehmenden Arthrose. „Ich hätte gerne noch weiterhin große Orgelwerke gespielt, aber das ist so leider nicht mehr möglich“, fällt es ihm schwer zu sagen. Und dann spielt er, trotz der Sorgen um seine Gesundheit - oder auch gerade den Sorgen zum Trotz - auf der Flentrop-Orgel, deren Klang ihn von Anfang an so begeistert hat, das schöne Lied von Paul Gerhardt „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“.

Mir bleibt Peter Müller Danke zu sagen. Danke für die vielen schönen Momente, die er uns mit seiner Musik bereitet hat, ob als Organist, als Chorleiter und Dirigent, als Konzertmusiker oder auch als Organisator der „KreuzKirchenKonzerte“, die immer viel Beachtung gefunden haben.

Seine Begeisterung für das Lied „Time To Say Goodbye“ fiel übrigens doch etwas verhalten aus und wenn er demnächst wieder etwas mehr Zeit und Ruhe hat, wird es eher die klassische Musik sein, die er dann hören wird.

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Foto:pm

Kirchenkreiskantor

Peter Müller
Peter Müller
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